Donnerstag, Oktober 05, 2006

"Das Arbeitsamt". Ein Drama in zahllosen Akten. Vorläufige Schlussszene.

Meine Mutter und ich haben uns gestern mal "eben" hingesetzt und auszurechnen versucht, ob das denn wohl alles rechtens ist, was das Arbeitsamt mir in den vergangenen Monaten aufgrund meines Zuverdienstes so vom Alg II abgezogen hat. Das hätte ich schon viel früher tun soll, ich weiß. Aber da ich ja mittlerweile Magenschmerzen bekomme, wenn ich nur an den Laden denke, hab ich alles nur brav abgeheftet. Wir haben also gestern eineinhalb Stunden (!) lang Zahlen zusammengerechnet, addiert, subtrahiert, gemacht und getan. Denn trotz meiner Anweisung, das nicht zu tun, haben die lieben Arbeitsamtsmitarbeiter das Geld, das ich aufgrund von Nebenverdiensten zuviel gezahlt bekommen habe, immer schön in Raten in den kommenden Monaten abgezogen. Anstatt also einfach im Februar den Betrag weniger zu überweisen, den ich im Januar zuviel bekommen habe, haben sie das Ganze über mehrere Monate abgezogen. Dumm nur, dass in jedem Monat wieder ein anderer Betrag dazu kam. Also ein heilloses Durcheinander. Was uns also am meisten überrascht hat, war die Tatsache, dass die Abrechnungen stimmten. Sprich - sie haben mir wirklich die korrekten Beträge abgezogen. Ich bin immer noch baff. Aber warum müssen die Bescheide so kompliziert sein, dass wir eineinhalb Stunden brauchen, um sie zu verstehen? Ist das kundenfreundlich? Nun aber zu den 1043 Euro, die ich zurückzahlen musste und teilweise auch schon zurückgezahlt habe. Der Betrag setzt sich zusammen aus einer Rückzahlung aufgrund meiner Steuerrückzahlung, was durchaus rechtmäßig ist. Das hatte ich auch nicht bezweifelt. Dass das eine unglaubliche Frechheit von Seiten des Staates ist, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich ist es Geld, dass ich im vergangenen Jahr zuviel gezahlt habe. Und das ich gut hätte brauchen können, jetzt, da ich alles habe, nur nicht zuviel Geld. Aber für einen Gang bis nach Karlsruhe hab ich grad nicht die Kraft. Weiterhin muss ich Geld, das mir für Juli bereits überwiesen wurde, zurückzahlen - auch okay, schließlich war ich im Juli nicht mehr arbeitslos. Die letzten 130 Euro, die den Arbeitsamtsmitarbeitern zum Schluss noch eingefallen sind, stammen aus einer Überzahlung vom April. Von mir aus. Also alles rechtmäßig. Daran hab ich auch nur ein bisschen gezweifelt. Wogegen ich mich wehre, ist allerdings die Art und Weise, wie das Geld zurückgefordert wird. Der Übersichtlichkeit halber liste ich die Punkte mal mit Spiegelstrichen auf. Da kommt nämlich einiges zusammen.

  • Es trägt nicht zum Wohlbefinden des Kunden bei, wenn er jede Woche einen Bescheid bekommt, auf dem ein anderer (und natürlich immer ein höherer) Betrag steht als in der Vorwoche. Weil aufgrund des Durcheinanders in der Abrechnungspraxis niemandem wirklich klar ist, welche Beträge nun noch ausstehen oder was auch immer.
  • Es ist kundenunfreundlich, wenn auf den Bescheiden weder eine Telefonnumer, noch eine E-Mail-Adresse steht, unter der die Sachbearbeiter zu erreichen sind. (Sondern nur die Hartz-IV-Hotline des Kreises Soest, die ewig besetzt ist.) Meiner äußerst findigen Mutter ist es zu verdanken, dass wir schließlich eine Nummer herausbekommen haben. Die Sachbearbeiterin war am Telefon auch sehr unentspannt ob der Tatsache, dass ein Kunde diese Nummer hatte.
  • Es ist kundenunfreundlich, wenn auf den Bescheiden nie steht, wie sich die eingeforderten Beträge zusammensetzen. Ich musste jedes Mal extra um Erläuterung bitten, um das zu erfahren. Warum geht das nicht gleich? Hab ich nicht ein Recht darauf, das gleich mit dem ersten Brief zu erfahren? Oder wird davon ausgegangen, dass der Kunde die Klappe hält und anstandslos bezahlt?
  • Es zeugt nicht von großer Sorgfalt oder allzuviel Respekt gegenüber dem Kunden, wenn die Bescheide vor Fehlern wimmeln. Gut, ich bin auch ein Rechtschreib-Nazi, aber ein bisschen mehr Mühe kann man sich da schon mal geben, finde ich.
  • Es ist im Grunde unzumutbar, dass ich über die jüngste Summe lediglich eine Zahlungsaufforderung bekomme, aber keinen Bescheid. Den hat dann meine Mutter, ausgestattet mit einer Vollmacht, abholen dürfen. (Das bestätigt aber meine Meinung, dass der Kunde an sich nur stört. Die verschiedenen Behörden regeln das alles unter sich, ohne, dass der Arbeitslose davon erfährt und nerven kann.)
  • Es ist mir unverständlich, warum die Abrechnungen (trotz meiner gegenteiligen Anweisung) so gemacht werden, wie sie gemacht werden. Wenn ich eine Honorarabrechnung einreiche, wird mir nicht einfach im nächsten Monat genau so viel Geld weniger überwiesen, wie ich im Vormonat zuviel nebenher verdient habe. Nein, die Summe wird in Raten aufgeteilt, so dass ich im August noch Geld abgezogen bekomme, das ich im April zuviel verdient hab. Das bedeutet: jeden Monat ein neuer Bescheid über noch weniger Geld als vorher, ein heilloses Durcheinander, das die Mitarbeiter selber nicht mehr verstehen, wie sie im Übrigen auch zugeben. Dass sie sich bei mir nicht verrechnet haben, halte ich im Übrigen für Zufall. Ich empfehle jedem, sich die Bescheide genau anzusehen und nachzurechnen.
Ich frage mich, wie das Arbeitsamt funktionieren würde, wenn es ein Klempnerbetrieb wäre. In meinem Fall hieße das, dass zum Rohre verlegen etwa zehn verschiedenen Mitarbeiter am Werk wären, von denen der eine aber nicht weiß, was der andere tut. Sprich, der eine reißt was raus, was schon fertig war, und jeder schreibt seine eigene Rechnung. Auf den Rechnungen stehen irgendwelche Summen, die der Kunde zahlen soll, aber worüber sich die einzelnen Posten belaufen, weiß niemand. Anrufen kann man die Mitarbeiter aber nicht, weil auf der Rechnung keine Telefonnummer steht. Man geht also extra vorbei, um sich in der Zentrale des Unternehmens in teilweise unmöglichem Ton einen Termin zu holen. Dann landet man bei einem Anprechpartner, den man noch nie gesehen hat, der aber sich auch erst in die Geheimnisse des Rohrverlegens einarbeiten muss und im Übrigen so tut, als ginge es um sein Privatvermögen. In der freien Wirtschaft könnte kein Unternehmen so überleben. Aber zum Glück heißen die Kunden beim Arbeitsamt ja auch nur so. Und deswegen muss man sie auch nicht wirklich so behandeln. Denn in Wirklichkeit sind es ja doch nur Arbeitslose, die an ihrem Elend selber schuld sind.

5 Comments:

At 10/05/2006 12:43:00 nachm., Blogger Alke said...

Oh mein Gott, was für ein Krampf. Ich hoffe, ich krieg mit denen nie was zu tun. Erinnert ein bisschen an "Das Haus das Verrückte macht" bei Asterix.

 
At 10/06/2006 01:31:00 nachm., Blogger Kirsten said...

Hihi. Das ist ein SEHR passender Vergleich. :-)

 
At 10/07/2006 12:41:00 vorm., Blogger daniela said...

*seufz*

Mir reicht schon der Ärger mit dem Finanzamt ..

 
At 10/09/2006 09:16:00 vorm., Anonymous Gandhi said...

Jaja, die Sachbearbeiter. Für die sind Antragsteller sowieso Habenichtse, Bioformen letzter Klasse und, wie Du schon so schön geschrieben hast, immer selber Schuld an ihrer Lage. Eben diese Sachbearbeiter hätten auf dem freien Arbeitsmarkt null Chance, eine Arbeitsstelle zu behalten, geschweige denn zu ergattern. Somit sind in meinen Augen diese diejenigen, welche von Staatsseite subventioniert werden und nicht die Antragsteller, die sich mit jenen rumschlagen müssen.

Halt durch und alles Gute!

 
At 10/11/2006 11:44:00 vorm., Blogger creezy said...

Ach das hat Ghandi aber schön gesagt!

Ich habe letzte Woche erstmals Post vom Amtsgericht wegen der Nachlassache bekommen – aus den Formularen und Satzgebilden ein einfaches 'das Testament wurde eröffnet' herauszulesen, ist wahrlich eine Kunst. Beispiel: Die Ladung der Beteiligten war untunlich …

 

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