Montag, August 28, 2006

Katzentagebuch, Teil 1

Samstag, 26. August, 14 Uhr Ankunft in Kaspers Wohnung. Kasper begrüßt mich zunächst freundlich, doch die Euphorie lässt nach, als ihm klar wird, dass seine beiden gewöhnlichen Dosenöffner nicht dabei sind, sondern diese Frau, die erst einmal zum Essen da war, zahlreiche Taschen und Tüten in sein Wohnzimmer trägt und dort offenbar nicht mehr wegzugehen denkt. 14.30 Uhr Kritische Inspektion meines Gepäcks durch Oberwachmeister Kasper. 15 Uhr Kritische Inspektion meinerseits, was Kaspers Napf angeht. Noch halb voll. Ich merke, dass ich bereits das habe, was der Engländer eine high-pitched voice nennt, wenn ich mit Kasper rede. Und ich rede bereits mit Kasper, als sei er ein Mensch. 15.30 Uhr Ich führe mir die Bedienungsanleitung für Kasper zu Gemüte. Angeblich frisst er gern Tomaten und noch viel lieber Gurken. Ich muss zwar gleich noch einkaufen, aber Gurken und Tomaten kauf ich sicher nicht. Ich mache mich doch nicht zum Sklaven dieses Katers, pah. 16 Uhr Der Napf ist immer noch halb voll. Ich mache mir Sorgen. Muss ich den Tierarzt holen? Ich suche Kasper, der sich in den Schreibtisch seines männlichen Dosenöffners gemorpht hat. Ich seh ihn erst, als er die Augen aufmacht und kriege fast einen Herzschlag, weil es aussieht, als hätte der Schreibtisch Augen. 17.20 Uhr Noch rasch die Einkäufe erledigen, damit ich zur Sportschau wieder zu Hause bin. Gurken und Tomaten gekauft. 19.55 Uhr Kasper hat während meiner Abwesenheit ordentlich gefuttert, tut nun aber so, als sei er halb verhungert und maunzt zum Herzerweichen. Meine Hinweise, dass es fünf vor acht und laut seiner Bedienungsanleitung noch keine Essenzeit und der Napf doch auch noch halb voll sei, quittiert Kasper mit einer obszönen Geste und lauten Vorhaltungen. Terrorist. 21 Uhr Kasper gewährt mir huldvoll das Vergnügen seiner Gegenwart, ich seh aber genau, dass er darüber nachdenkt, meine Wäsche von der Leine zu rupfen. Ich drohe ihm damit, nie wieder dass Klo sauber zu machen, wenn er das tut. Also setzt er sich vor den Fernseher und verachtet mich für die blöde Mainstream-Scheiße, die ich gucke. Sonntag, 29. August, 8.45 Uhr Huch, schon eine dreiviertel Stunde über die Frühstückszeit. Die Küche ist aber verwaist. Ich bereite dem Herrn trotzdem den Napf und fühle mich dabei irgendwie beobachtet. Etwa acht Meter hinter mir lugt Kasper um die Ecke seines Arbeitszimmers durch den Flur, kommt aber nicht näher. Pah, dann eben nicht. 11 Uhr Nun hält er mich für total durchgeknallt, fürchte ich. Nicht nur, dass ich den Fernsehgarten ohne Ton gucke, sondern ich turne auch noch zur Brigitte CD „Pilates: Classic New York Style” durch die Gegend. Was wahre Körperbeherrschung ist, zeigt Kasper mir dann lässig bei seinen Gähn- und Dehnübungen. Danke für die Demütigung. 13.10 Uhr Suchexpedition nach Kasper. Fündig werde ich unter dem Schreibtisch. 15.20 Uhr Weitere Suchexpedition. Noch immer unter dem Schreibtisch. Und gekackt hat Kasper heut auch noch nicht. Ich bin besorgt, aber auch verabredet und muss in die Kneipe. 19.30 Uhr Komme singend wieder zu Hause an und stürze aufs Klo. Kaum komm ich wieder raus, steht der kleine Terrorist vor mir und hat schon wieder Hunger. Streicht mir um die Beine, maunzt und ist charmant wie nie. Und gekackt hat er auch endlich. 20.15 Uhr Kasper schlabbert noch ein Wässerchen, ich ein Astra. Er schaut irritiert, als ich ihn „Pupsi“ nenne. Noch irritierter, als ich „Hase“ sage. Und haut ab, als ich „Schnuckelpups“ sage. Pah. 20.30 Uhr Ich telefoniere ein wenig mit daheim, Kasper spielt das Spiel „schwarzer Kater vor schwarzem Schrank“, anschließend „schwarzer Kater in schwarzer Ecke hinter der Tür“. Montag, 28. August, 7 Uhr Gähn. Ich quäle mich aus dem Bett und stolper fast über Kasper, der mich zwar in Ruhe pinkeln lässt, aber mehr auch nicht. Ich bin selber schon total unterzuckert, aber der Herr ist zuerst dran. Das Futter ist aber nicht genehm, heute hätte der Herr gern Brekkies zum Frühstück. Von mir aus. Ich freu mir einen Wolf, dass er gekackt hat und gehe beschwingt zur Arbeit. 18.38 Uhr Ich verlasse mit dem Ausruf "Himmel, der Kater" das Büro und fühle mich nur mäßig merkwürdig dabei.

10 Comments:

At 8/28/2006 07:17:00 nachm., Blogger daniela said...

1. Danke für deine Geschichte. Wie ich bei creezy ja schon bemerkte, kann ich Katzengeschichten immer und überall und jederzeit hören. Habe bereits ab "14:30Uhr" vor mich hin gegluckst.

2. Wie soll man mit Katzen denn sonst reden? Etwa in der Babysprache? Ich spreche ja auch mit meinen Pflanzen in einem normalen, etwas entschuldigenden Tonfall.

3. Tomaten und Gurken sind noch gar nichts gegen meinen Hamster, der damals den Kirschjoghurt von Ehrmann dem Erdbeerjoghurt von Fruttis vorzog. Nicht lachen, ich hab auch nicht gelacht. ;)

4. Ich beneide dich.
*auch wieder eine Katze haben will*

 
At 8/29/2006 09:14:00 vorm., Blogger creezy said...

Verdammt Kirsten, Du sitzt so was von in der Falle. ;-)
Aber läuft doch gut zwischen Euch beiden, er klaut Dir die Tomate und Gurke vom Hamburger und pinkelt Dir dafür nicht auf's Kopfkissen. Auch das er Dich dezent in sein Casino-Programm (Spielwiese) einführt, lässt auf freundliches Entgegenkommen hoffen.

Ach ja, es heißt, man solle sich täglich mindestens eine Stunde lang mit Katzen unterhalten, wenn sie in der Wohnung hausen. Fang bei Kasper ruhig mal mit Nitzsche an, er macht den Eindruck, als sei er ein stilles produktives Wasser. Vieleicht hat er ja auch schon das letzte Buch der 'Strunz-Diät' gelesen, gewisse Anzeichen deuten auf so etwas hin!

Viel Spaß noch!

 
At 8/29/2006 12:04:00 nachm., Blogger Kirsten said...

Ich glaub, ich hätte doch lieber nen Hund. Hund sind doof, und ich bevorzuge Tiere, die mir nicht intellektuell überlegen sind. :-)

 
At 8/29/2006 12:58:00 nachm., Blogger creezy said...

Ach, es ist ja nun nicht so, dass eine Katze im Zusammenleben mit dem Menschen überhaupt nicht mehr an ihrem Intellekt arbeiten würde …, will sagen, die Einseitigkeit ist so nicht gegeben.

Und, es gibt solche und solche Hunde, so manch einer von denen ist verdammt klug, wenn nicht viel klüger als das was am anderen Ende der Leine hertrottelt ;-)

 
At 8/29/2006 05:09:00 nachm., Blogger daniela said...

"Ich glaub, ich hätte doch lieber nen Hund. Hund sind doof, und ich bevorzuge Tiere, die mir nicht intellektuell überlegen sind. :-)"

Das ist heute mein absoluter Lieblings-Kommentar!

 
At 8/29/2006 08:00:00 nachm., Blogger creezy said...

Mensch Daniela, und ich habe mich so bemüht die Kurve zu kriegen und Kirsten eben nicht als Einzeller da stehen zu lassen! *lol*

 
At 8/29/2006 11:43:00 nachm., Blogger daniela said...

Ich find das herrlich selbstironisch und bin doch auch der Meinung, dass einige Katzen AUCH MIR intellektuell überlegen sind. Habe den (Siam-)Kater meines Exfreundes mal auf dem Brockhaus schlafen sehen ...

 
At 8/30/2006 07:22:00 vorm., Blogger creezy said...

Ich weiß. Ich weiß. Oder denkst Du ernsthaft, ich programmiere Homepages selber?

;-)

 
At 8/30/2006 08:44:00 vorm., Anonymous Lars said...

In unserer Stadt rennt ein Typ mit drei Huskies herum, die er die ganze Zeit anbrüllt.

Der ist sowas von durch den Wind, bei dem bin ich mir absolut sicher, daß die Hunde ihn abends beim Mau-Mau bescheißen.

 
At 8/30/2006 04:57:00 nachm., Blogger Wieze said...

Hunde stinken. Katzen sind toll. So geht die Welt.

 

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